TONSPUR IN BERLIN
Klangarbeiten auf dem Schloßplatz zu Berlin
Ein Projekt von Georg Weckwerth und Peter Szely

Wechselnde Klangarbeiten internationaler KünstlerInnen in der
„Übergangsnutzung Schloßareal Berlin“. Ihre mehrkanaligen,
das übliche Stereobild aufhebenden Kompositionen erschaffen
faszinierende Klangarchitekturen und begehbare Tonräume.


TONSPUR 33
Peter Ablinger [A]
PALASTMUSIK für Infra- und Ultraschall, 2010*
8-Kanal-Komposition
Länge 4 min.
Technische Beratung: Winfried Ritsch
Lautsprecherdesign: Udo Wohlgemuth
Studiotechnik: Thomas Musil
Abmischung: IEM Graz
*unterstützt durch Österreichisches Kulturforum Berlin



01.02.10–29.05.10
Schloßplatz Berlin/Mitte
Banklinie zwischen Berliner Dom und Hochschule für
Musik Hanns Eisler [nahe der Humboldt-Box]
Täglich 08–22h
Eröffnung: So 31.01.10, 11.30h
Einleitende Worte:
Georg Weckwerth [Künstlerischer Leiter TONSPUR]
Wilhelm Pfeistlinger [Direktor Österreichisches Kulturforum
Berlin] – lesen
Sebastian Kiefer [Essayist und Dozent] – lesen


TONSPUR IN VIENNA






PALASTMUSIK FÜR INFRA- UND ULTRASCHALL
Eine unhörbare Musik für einen nicht vorhandenen Palast, eine Musik für das Nicht-Vorhandene. Oder auch: eine Musik für eine nicht-menschliche Wahrnehmung, eine Musik, die einer Wahrnehmung gewidmet ist, die die durch Kultur und Erlerntes gegängelten menschlichen Wahrnehmungsmuster links liegen läßt. Oder auch: eine Musik für Hunde, Fledermäuse, Elefanten, Wale und Kaum-Geborene.
8 Hörpositionen sind 8 Lebensalter zugeordnet, der Reihe nach von etwa 10, 20, 30, ... bis etwa 80 Jahre ansteigend. Das Tonmaterial besteht aus einem Kanon aufsteigender Tonleitern an und über der oberen Gehörgrenze, also im Ultraschall-Bereich, und einem aus absteigenden Tonleitern im Infraschall-Bereich, der also bis in jene Tiefen vordringt, wo sich Töne in einzelne Impulse auflösen. Letztere können wir nicht mehr hören, nur mehr spüren: Auch dieser Teil des Stücks bleibt uns solange verborgen, bis wir uns – trotz Winterzeit – auf die Bank über eine der 8 Lautsprecherpositionen setzen. Das Organ für die nun wahrgenommene Musik wird dann nicht mehr das Ohr sein, sondern unser Hintern.
Die obere Gehörgrenze dagegen ist je nach Alter extrem verschieden. Jüngere Menschen werden die Hörpositionen der Älteren deutlich hören. Aber selbst die jüngsten von ihnen werden nicht alles hören können, sondern nur den individuellen Ort des Verschwindens der aufsteigenden Tonleiter, ihre ganz persönliche Hörgrenze – da wo alles aufhört.
Palastmusik ist Siegrid, meiner Frau gewidmet.

Peter Ablinger, Januar 2010

BIOGRAPHIE
Peter Ablinger, geboren 1959 in Schwanenstadt, Österreich, lebt und arbeitet seit 1982 in Berlin.
ablinger.mur.at






TONSPUR 33
Text folgt...
Georg Weckwerth, Januar 2010